Der Irrglaube von der unbedingten Vertretungsmacht des Ehegatten

Wer entscheidet im Krankeitsfall oder nach einem Unfall tatsächlich?

Der Vortrag zum Thema Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung fand großen Anklang

Pauluszell. Mehr als 80 Besucher fanden sich am Dienstag, den 24.01. im Zellbachstüberl ein, um sich über dieses Thema zu informieren. Martin Wagenbauer, IHK geprüfter Generationenberater und Spezialist für Vollmachten, Pflegeversicherung und Pflegeimmobilien, informierte die Besucher ausführlich über diese Thematik. Nur etwa 20 Prozent aller über 18jährigen haben eine entsprechende Vorsorgevollmacht erstellt, weil viele glauben, dass im Schadensfall automatisch der Ehepartner oder ein Kind die notwendigen Maßnahmen und Entscheidungen veranlassen kann.

Tatsächlich wird ohne Vorsorgevollmacht ein vom Betreuungsgericht bestimmter Betreuer eingesetzt. Häufig ist dies kein Familienangehöriger , sondern eine fremde, vom Betreuungsgericht bestimmte Person. Wenn zusätzlich keine Schweigepflichtsentbindung für die behandelnden Ärzte vorhanden ist, stellt dies die Angehörigen vor das Problem, wie sie Informationen über den Gesundheitszustand des Partners oder der Eltern erhalten können.

Der eingesetzte Betreuer entscheidet über alle Lebensbereiche, von den Finanzen, über den Aufenthalt in Kliniken oder einer Heimunterbringung und vieles mehr, so Wagenbauer. Diese Problematik betrifft nicht nur ältere Personen, sondern auch eigene Kinder die das 18. Lebensjahr erreicht haben. Die Eltern sind in diesem Fall komplett außen vor, wenn keine Vorkehrung getroffen wurde. Anhand von Beispielen erhielten die Zuhörer nützliche Tipps, was es zu beachten gilt.

Wagenbauer ging auch darauf ein, welche Gefahren eine kostenlose Vollmacht oder Patientenverfügung aus dem Internet beinhaltet und warum es daher sinnvoller ist, einen Anwalt oder Notar aufzusuchen. Besonders Interesse fand das BGH-Urteil vom Juli 2016: Aufgrund der in dieser Entscheidung für Patientenverfügungen aufgestellte Wirksamkeitsvoraussetzungen sind nunmehr zwischen 50 und 90 Prozent der bestehenden Patientenverfügungen unwirksam. Denn das Urteil änderte die Anforderungen an die Wirksamkeit der Patientenverfüung grundlegend. Pauschale Angaben, dass man etwa keine lebenserhaltenden Maßnahmen mehr wünscht, reichen nicht länger aus. Die fraglichen Maßnahmen, wie künstliche Ernährung, künstliche Flüssigkeitszufuhr oder künstliche Beatmung, müssen in den jeweiligen Situationen und Krankheitsbildern präzise beschrieben sein. Bisher sind jedoch in vielen Patientenverfügungen solche Angaben nur sehr pauschal formuliert.

Warum eine private Pflegevorsorge dringend anzuraten ist, erklärte Wagenbauer anhand der Bevölkerungsstatistik und den Prognosen der zukünftigen Pflegebedürftigen. Die Lebenserwartung ist in den vergangenen 40 Jahren um rund 10 Jahre gestiegen. Dieses zusätzliche Lebensjahrzehnt möchte jeder mit einer ausreichenden Rente genießen, doch wie soll das bei der sinkenden Anzahl von Erwerbstätigen möglich sein? Der Anteil der über 65-jährigen steigt bis 2050 um über 30 Prozent an. Wer selbst nicht vorsorgt, läuft daher Gefahr in die Altersarmut zu rutschen. Er belastet dadurch nicht nur sich selbst, sondern wird im Pflegefall auch zu einer hohen finanziellen Belastung der eigenen Kinder.

Dass das Thema Pflege aber nicht nur negative Seiten hat, sondern damit auch eine große Chance für den Aufbau einer Altersvorsorge bestehen, beschrieb Wagenbauer anhand der dringend benötigten Pflegeheimplätze. Um den Bedarf zu decken, müssten in den nächsten 40 Jahren ca.450 Heime jährlich gebaut werden. In eine Pflegeimmobilie zu investieren sei daher derzeit eine sichere Kapitalanlage. Man investiere in ein soziales Investment, das aufgrund der stark steigenden Pflegebedürftigen auch eine hohe Sicherheit bietet, so Wagenbauer. Die Wartelisten auf einen Heimplatz werden immer länger. Damit ist eine Auslastung der Heime sichergestellt. Im Gegensatz zu bisher bekannten Altersvorsorgen (Lebensversicherungen oder Sparpläne),  mit denen keine nennenswerten Gewinne mehr erzielt werden, bringt die Pflegeimmobilie aktuell zwischen 4 und 4,5 Prozent Rendite. Aufwand mit Verwaltung des Pflegeheims oder dem Mieter des Pflegeheimappartments gibt es keinen, da dies alles der Betreiber oder die Hausverwaltung übernimmt. Mietausfall ist ebenfalls nicht zu befürchten, da im Falle des Mietausfalls durch Zahlungsschwierigkeiten des Mieters das Sozialamt die Kosten trägt. Wagenbauer berichtete, dass die Investition in eine Pflegeimmobilie aufgrund des äußerst geringen Risikos und der positiven Rendite kürzlich vom Amtsgericht Landau sogar als „mündelsicher geeignete Anlage“ (mündelsicher = Sparbuch, Bankkonto oder Bundesanleihe) bewertet wurde. Gerade in Zeiten des Zinstiefes biete eine Pflegeimmobilie daher eine hervorragende Anlagemöglichkeit.

Zum Ende der Veranstaltung bat Wagenbauer die Zuhörer um eine Spende für die Stiftung Licht und Schatten sowie das Hospiz Vilsbiburg. Viele Besucher beendeten diesen Abend mit dem Vorsatz, sich in den nächsten Tagen mit der Regelung seiner eigenen Vorsorge zu befassen.

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